Ich will nicht mehr.

Ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr. Mich strengt alles so dermaßen an. Ich will einfach so nicht mehr leben. Ich verlasse das Haus und zack – Angst, Schwindel, Kreislauf macht schwach, ich kann nicht mehr klar denken. Ich glaube ich dissoziiere auch. Ich war den ganzen Tag jetzt mit einer Freundin unterwegs, haben uns erstmal auf die Wöhrder Wiese gesetzt und gequatscht und als wir dann noch in ein Café gingen, wurde mir noch schwindeliger und ich dachte, das war’s jetzt… irgendwie Tunnelblick… dann bin ich auf die Toilette und habe dort versucht, mich wieder runterzubringen. Mich wieder zu spüren. Aber ich habe nichts gespürt… Nichts. Obwohl Blut da war (nicht viel, aber ein bisschen immerhin). Kein Schmerz. Nichts.

Danach war es minimal besser. Ich ein bisschen mehr bei mir und ein bisschen weniger daneben. Aber das stieg dann wieder an… so nach und nach. Ich glaube, ich drehe echt bald durch. Ich will raus, aber es kostet mich dermaßen viel Kraft und Energie… Aber drinnen bleiben macht mich genauso – naja, auf eine andere Weise – wahnsinnig. Fühle mich eingesperrt – von mir selbst. Meiner Angst. Ich hasse das Gefühl, eingesperrt zu sein. Inzwischen weiß ich auch, wieso. Naja… seit der Klinik ist es mir wieder bewusster. Ist ja auch egal… es ist so.

Meine Gedanken werden immer düsterer, immer mehr Blut in meinem Kopf. Phasenweise geht es dann wieder… und dann ist es wieder da. Es fühlt sich an, wie ein Druckkochtopf… es steigert sich immer mehr und mein Körper schreit danach, den Druck loszuwerden. Ich werde wieder ausfallend… maule grundlos Leute an, bin nur noch wütend auf meinen Vater, obwohl ich das gar nicht sein will… Mein Körper mag auch nicht mehr. Ich gleite von Kopfschmerzen zu Gliederschmerzen zu Erkältungssymptomen, Übelkeit, Bauchschmerzen… Ich fühle mich echt langsam wie in der Hölle. Bis auf wenige Ausnahmen, Momente, in denen ich auf einmal wieder gut drauf bin.

Und ja, ich hasse, hasse, hasse meinen Therapeuten! Den neuen. Ich hasse ihn dafür, dass er sich so auf die Diagnose einschießt und mich deswegen mit all den anderen asigen, manipulativen, hinterfotzigen, widerwärtigen, egoistischen Borderlinern über einen Kamm schert! Im Moment hasse ich alles und jeden.

Habe gerade noch mit meiner Oma telefoniert… sie fragte, wieso ich denn aus Roth weggegangen bin. Dann habe ich ihr es geschildert. Ihr Kommentar: “Mensch, das ist gar nicht gut für deinen Vater! Der hat sowieso so viel um die Ohren und hohen Blutdruck, jetzt sitzt er zwischen den Stühlen, zwischen A. und seinen Töchtern, das macht es für ihn noch schwieriger!” Dann ich: “Ja gut, aber was soll ich machen? Ich bin ja jetzt gegangen…” Sie: “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Geh doch einfach nicht auf die Anja ein.” Klar… als wäre das möglich… Goth verdammt. Meine Welt geht unter und kein Schwein interessiert es! Sie sagte: “Mach die Ausbildung, geh arbeiten und verdiene dein eigenes Geld, mach’ dich unabhängig.” Ich übersetze: “Hör auf eine Last für deinen Vater zu sein.”

Im Moment wäre ich einfach gerne weg. Nicht existent.

Wie lange soll ich das noch ertragen? Wundert mich sowieso, _dass_ ich es so lange so gut ertragen habe.

Abspalten scheint ganz gut zu funktionieren…