Update zu Elontril – eine Fallstudie.

Tag 5 neigt sich schon langsam dem Ende zu.
Es war nicht schön bis jetzt… nur der erste Tag, der erste Kick war gut. (;
Tag 1: siehe vorigen Blogeintrag.

Tag 2: Müde, antriebslos, benommen, keine Konzentration, leichter Schwindel – abends wurde es etwas besser.

Tag 3: Tablette genommen – nichts ging mehr. Ich war müde, depressiv, genervt, antriebslos (Essen bzw. nur schnell Käse auf’s Brot legen ging nur noch mit Mühe), starker Schwindel, Übelkeit. Ich war die ersten 6-8 Stunden nach Einnahme quasi außer Gefecht, kaum dazu fähig irgendetwas zu tun – vor allem wenn es Konzentration erforderte.

Tag 4: Schlimmster Tag. Nach wie vor antriebslos, schwindelig, mir war speiübel (eine Zeit lang), total aggro und wegen jeder Kleinigkeit genervt. Habe den Fehler gemacht, in die Stadt zu gehen. Menschenhass pur. Reizüberflutet. Wollte nur noch weg. Danach war ich angespannt (-> Promethazin) und antriebslos (nur rumgesessen/gelegen und nichts gemacht). Gegen Abend wurde es dann besser und ich konnte wieder etwas tun.

Tag 5: Etwas weniger antriebslos und müde. Aber nicht ganz verschwunden. Schwindel und Übelkeit sind weg. Dafür war das unter Leuten sein (Bahnfahrt) nicht so gut. Kein Wunder, Amphetamin pusht ja auch. Logisch wäre es eher, wenn es die noch verstärken würde. Verstehe sowieso nicht, inwiefern das gehen Angst helfen soll. Heute habe ich nochmal Bewertungen bei sanego gelesen. Den meisten bringt es nichts gegen die Angst und wenig bis nichts gegen die Depression. Nur gegen das Rauchen! (; Gegen Abend wurde ich dann richtig unruhig… da habe ich jetzt mit etwas Promethazin gegen gewirkt (auch wenn ich gelesen habe, dass Antihistaminika die Krampfschwelle senken) und jetzt fühle ich mich ein wenig high. =D Aber nicht nur positiv… sondern komisch. Na, egal.
Ich bleibe jetzt noch bis Samstag dabei, also insgesamt eine Woche, und dann entscheide ich ob ich es weiter nehme oder nicht.

Tag 6: Passt. Ich bin etwas zittriger als sonst und vielleicht ein wenig unruhiger und hibbeliger, aber ansonsten ist es bis jetzt echt gut. Mundtrockenheit… aber die kenne ich schon von anderen Medis, die stört mich wenig. Antrieb ist wieder da. Phasenweise bin ich allerdings depressiv und seit ich das Zeug nehme schlafe ich wenig. Heute vielleicht 5 Stunden, die letzten Tage auch selten mehr. Habe heute auch einen unangenehmen Traum gehabt und mich seit langer Zeit wieder einmal daran erinnert. Ich revidiere: Es passte bis zum frühen Nachmittag. Dann ging es los… sowas von unruhig und innerlich überdreht, Herzrasen und Stolpern,  ich dachte ich verliere gleich den Verstand… konnte überhaupt nicht mehr klar denken. Dann habe ich versucht mit Promethazin gegenzusteuern – dumme Idee! Waren nicht einmal 10mg (sonst nehme ich 25-50) und mir hat es die Füße fast weggezogen… lief wie auf Watte, schwummrig, schwindelig, Puddingbeine.

Tag 7: Abgesetzt. Schluss damit. Nachdem ich auch noch weitere Erfahrungsberichte gelesen habe, in denen eigentlich ziemlich einstimmiger Tenor war, dass es nur minimal gegen Depression wirkt und gegen Angst eigentlich bei keinem geholfen hat, sehe ich es nicht mehr ein, diese ganzen Nebenwirkungen auf mich zu nehmen in der Hoffnung, dass es vielleicht irgendwann aufhört und besser wird. Die zu erwartende Wirkung ist es glaube ich nicht wert. Ich bin jetzt endlich wieder klar(er) im Kopf. Habe wieder Kontrolle. Was eine verschwendete Zeit… eine vergeudete Woche, in der ich nicht wirklich zu viel gekommen bin und meinen Mitmenschen auf die Nerven ging. Alles umsonst.

 

Nikotin, Koffein und Amphetamin.

Seit gestern bin ich jetzt auf Elontril. Es ist nicht so schlimm, wie befürchtet… Gestern ging es mir damit sogar richtig gut. Erst Laberflash, dann mehr Antrieb, gute Laune, Motivation und phasenweise Müdigkeit. Habe gestern den ganzen Tag nicht gegrübelt und mir wenig Sorgen gemacht. Nett. (:
Heute gab es anfangs einen leichten Kick, jetzt, zwei Stunden nach der Einnahme bin ich nur noch müde und etwas benommen. Dachte eigentlich, dass Amphetamine eher pushen – aber gut. Koffein gibt es ja auch noch. Interessanter Nebeneffekt ist, dass mir Kippen nicht mehr wirklich schmecken… Ich nehme ein paar Züge und mache sie dann aus. Tja, in den USA wird das Medi auch zum rauchen abgewöhnen eingesetzt. (;
*gähn*
Was gibt es sonst? Ich bin gerade bei einem Freund. Die Woche hatte ich einen Termin bei dem neuen Thera – der ist super. Eine Stunde bei ihm kommt mir vor wie 3, so viel Themen haben wir. Und ich fühle mich besser danach. Eine Hausaufgabe habe ich auch bekommen: Meine Lebensgeschichte zu schreiben (habe einen Leitfaden bekommen, einige Themen soll ich da abarbeiten).
Bei Thera 1 hatte ich auch einen Termin. Der war für’n A***. Mir ging es danach schlechter. Außerdem hatte ich recht: vor den Ferien hab ich noch einen Termin und den erst in 2 Wochen, dann ist er 5 oder 6 Wochen weg.
Naja, ich hoffe jetzt auf das Medi. Und wenn das nichts bringt, dann vllt doch nochmal Klinik.
So, das war’s erstmal. Bin müde und kann gerade irgendwie nicht denken. (;

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Same Procedure as Everytime.

Seit heute morgen nehme ich mir vor, das Zeug einzuschmeißen.

Nein, jetzt noch nicht… der Kaffee wirkt noch.

Nein, erstmal mit den Hunden rausgehen.

Nein, erst frühstücken, auf leeren Magen ist das nicht gut!

[Es ist mittag.]

Nein, erst einkaufen.

Ok, jetzt lese ich mal die Packungsbeilage (ohne den Nebenwirkungen!)… Hm, mist.

Da steht, dass man es nicht zusammen mit Beruhigungsmitteln nehmen darf (Promethazin ist eins) – somit fällt meine Tavor-Notfall-Strategie auch ins Wasser.

Außerdem steht da, dass man epileptische Anfälle bekommen kann.

Man sollte es auch nicht nehmen, wenn man eine Essstörung hat oder hatte – mein Essverhalten ist auch nicht ganz normal.

Erinnerung kommt wieder: Meine Schwester sollte oder wollte es mal nehmen, durfte aber nicht, weil sie mal eine ES hatte. Angeblich erhöht das das Risiko einen Anfall zu bekommen dramatisch.

Dann fällt mir ein, dass ich ja heute nachmittag alleine hier bin und keiner weiß, dass ich ein neues AD nehmen – was, wenn ich einen Anfall bekomme und niemand da ist…? Und ich nur noch rumspacke und krampfe und nicht mal das Handy bedienen kann? Verdammt. xD

Also klemme ich mich an den PC und schreibe meiner Ärztin eine Mail… nun warte ich auf Antwort.

 

Ich glaube, das wird nichts mehr… eigentlich hätte ich wissen müssen, dass ich da wieder so neurotisches Chaos verbreite und wieder ewig brauche, bis ich mich mal traue, das Zeug zu nehmen.

Blöd ist jetzt, dass ich heute anfangen wollte – sollte, weil meine Ärztin ab Freitag im Urlaub ist, für zwei Wochen, und sie meinte, ich sollte jetzt mal anfangen und wenn Probleme auftreten, ist sie ja noch da. Hmmm.

Vorhin habe ich noch bei FB mit einem Freund (den ich aus der Klinik kenne) gechattet, der hatte das Zeug auch mal. Er meinte, es hätte ihm nicht wirklich etwas gebracht. Außerdem hat er mir erzählt, dass er seine Medis (und er hatte verdammt viele!) auf ein Minimum reduziert hat – 10mg Cipralex –  und jetzt versucht, so zurecht zu kommen. Auch wenn es schwer ist. Eigentlich will ich das ja auch… Goth, wenn ich mich mal entscheiden könnte!

Blöder Kopf.

 

 

Bitteschön, liebe Pharmaindustrie!

Gern geschehen. Jetzt verdienst du wieder ein bisschen (mehr) an mir. War ja auch kaum auszuhalten, dass ich nicht hunderte von Euros pro Monat in dich hineinstopfe, du Raupe Nimmersatt, du.

Na immerhin sind es keine hunderte von Euros mehr. Keine… 400-600 Euro pro Apothekenbesuch wie früher(dank Seroquel).

 

Jetzt fragt ihr euch sicher, was ich damit sagen will. (; Tut mir leid, jetzt mal Klartext: Ich hatte heute einen (vorgezogenen) Arzttermin bei meiner Pharmavertreterin – äh – Psychiaterin. Ich kam angekrochen … nachdem ich ihr nach der Klinik total motiviert erzählte, ich wolle weg von den vielen Medis und sie etwas skeptisch war, aber mich da unterstützt hat. Nun… Anscheinend geht es doch nicht so ganz ohne Chemie, so wie ich es mir vorgestellt hatte. Was wohl auch an der Situation hier “zu Hause” liegt… wie auch immer. Ich sagte ihr jedenfalls, dass ich glaube, dass es so nicht weitergehen kann. Also haben wir überlegt, welches schöne Mittelchen denn passen würde. Gibt ja sehr viel Auswahl inzwischen: Ssri’s (Selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer), Trizyklische Antidepressiva, Atypische Neuroleptika, … und allein von den SSRi’s – auf die wir uns letztendlich geeinigt haben – gibt es ja haufenweise Präparate. Wir probieren jetzt mal eines von dreien, die auch auf das Noradrenalin wirken – bisschen Abwechslung ist ja nicht schlecht. Sowas hatte ich bis jetzt noch nicht. Witzig fand ich ja ihre Antwort, als ich fragte, was genau da der Unterschied zu den normalen SSRi’s wäre… “Das weiß ich auch nicht so genau, das Noradrenalin wechselwirkt mit dem Serotonin und laut Studien wirkt es somit noch etwas mehr antidepressiv und kann auch angstlösend sein. Aber wie genau das zusammenhängt, kann ich nicht sagen, das ist ein sehr komplexer Vorgang an dem viele verschiedene Faktoren beteiligt sind. Wir probieren es einfach mal aus.” (Nicht ganz o-ton – aber sinngemäß). Also Versuchskaninchen, mal wieder.

Gerade habe ich etwas recherchiert, was das eigentlich für ein Zeug ist (www.sanego.de) und lese dann lauter Kommentare von wegen Nebenwirkungen können Haarausfall, Hitzewallungen, Sehstörungen, Schwitzen, Kreislaufprobleme usw. sein! Yay… als hätte ich nicht eh schön genug somatische Problemchen. -.-* Allerdings macht es mir etwas Hoffnung, dass der Wirkstoff auch auf das Dopamin, den Glücklichmacher, wirkt – davon könnte ich echt etwas mehr gebrauchen. Und dass eine der Kommentatoren auf der Seite schrieb: “Ich habe die erste Tablette (150 mg morgens) völlig erwartungs- und kritiklos genommen. Schockierenderweise fühlte ich mich fast “betrunken”, albern und kichernd.” Das klingt doch schonmal vielversprechend. =D Andere Kommentare klingen weniger hoffnungsvoll: “Nachdem am zweiten Tag die Stimmungsschwankungen so unerwartet schlagartig auftraten, dass mich eine Freundin nur noch nach Hause bringen konnte und ein paar Stunden überwachte, habe ich weiter recherchiert. Denn eigentlich gab es dafür keinen konkreten Anlass.
Enorm hilfreich zu wissen war der “Peak”, also dass die maximale Wirkstoffkonzentration nach ca.5 h auftritt. Damit konnte ich gewissermaßen “planen” in den Stunden 5-7 nach der Einnahme bin ich quasi nicht wirklich zurechnungsfähig oder zu irgendwas sinnvollem in der Lage. In der Zeit waren auch die NW am schlimmsten. insbesondere die Benommenheit war am schlimmsten, ich hatte das Gefühl, ich stehe völlig neben mir, wie zugedröhnt, und ich konnte fast schon den Wecker stellen, dass ich dann jeden Tag ab der 7. Stunde nach Einnahme endlich wieder “normal” im Kopf werde, mich wieder konzentrieren kann, einem Gespräch folgen usw. ”

Und die Sache mit dem Haarausfall – von dem fast alle schreiben, macht mir etwas Angst. Ich habe sowieso schon keine üppige Haarpracht… wenn mir da jetzt noch mehr ausgehen, dann wird das Zeug abgesetzt!

 

Das Medi sollte ich 2007 schon mal nehmen, habe mich dann aber geweigert, nachdem ich zuvor nur schlechte Erfahrungen mit SSRi’s gemacht hatte. Fluoxetin… auch bekannt als “Prozac”. Hölle. Ich konnte eine Woche lang nicht mehr stillsitzen… nur hibbelig, nur unruhig, musste ständig in Bewegung bleiben, weil ich das Gefühl hatte, sonst durchzudrehen. Dann habe ich es abgesetzt. Aber danach ging es trotzdem noch 3 Tage so weiter… nach der Erfahrung wollte ich nichts mehr – auch kein Elontril. Damals war es auch ganz neu auf dem Markt, das war mir dann etwas suspekt. Aber was tut man in seiner Not nicht alles… das optimale Mittel, das bei jedem hilft, gibt es nunmal nicht. Also werde ich es ab morgen nehmen und schauen, was passiert. Habe noch genug Beruhigungsmittel, mit denen ich gegensteuern könnte. Und die nächsten beiden Tage nicht viel vor.

 

Zusätzlich zu dem Elontril habe ich noch etwas zum schlafen bekommen. Trimipramin, ein trizyklisches AD, niedrigdosiert, so dass es nur müde macht und den Schlaf unterstützt, aber ansonsten (hoffentlich) keine Nebenwirkungen hat. Es soll angeblich den natürlichen Schlaf unterstützen. Nicht wie Promethazin und Seroquel einfach weghauen und der Schlaf soll somit auch erholsamer sein. Mal sehen…

 

Das hole ich am Donnerstag von der Apotheke.

 

Irgendwie geht mir das ziemlich gegen den Strich. Ich will nichts mehr nehmen… Aber anscheinend ist zu viel in meinem Oberstübchen defekt, als dass das funktionieren würde. Bzw. die äußeren Bedinungen scheinen ideal sein zu müssen, damit ich klarkomme ohne irgendwelche Substanzen einzuschmeißen. Aber wann sind die schon mal ideal… Bin halt doch ein Orchideenkind. Da habe ich mal einen Artikel in der “Gehirn & Geist” darüber gelesen und mich voll wiedergefunden. Orchideenkinder blühen in einer guten Umgebung auf, dh. einer nicht invalidierenden Umgebung und gehen schnell ein, wenn etwas im Außen nicht stimmt. So war ich schon immer. Ein Fähnchen im Wind (was meinen Gemütszustand angeht).

 

Mein Thera hat mir am Freitag gesagt, dass ich wieder in eine Klinik sollte. Auf jeden Fall raus von hier… und in der Klinik meine Erfolge festigen und nur auf meine Genesung achten und das Studium erstmal vergessen. Er hält mich für zu instabil. Ich mich auch. Er meinte, mein Vater würde mich lieben, aber würde sich sehr ungeschickt und unbeholfen anstellen, wenn es darum geht, mir das zu zeigen bzw. mir helfen zu wollen. Da hat er recht. Tja… Studium also vergessen… dann ist der Platz futsch. Er sagt, die spät berufenen seien eh die besten Therapeuten. Aber ich bin ja so schon spät berufen… ich weiß gar nicht mehr, was ich denken soll. Was ich machen soll. Erstmal wieder Chemie einwerfen. :3 Vielleicht hilft die mir, den Weg zu sehen… wenn nicht, dann werde ich wie Sisyphos einfach den Stein immer wieder den Berg hinaufrollen, wohlwissend, dass er wieder runterkullern wird und ich von Neuem anfangen muss…